Ein Staat geht unter: Tuvalu versinkt im Meer

Auch das Paradies ist endlich.

Gerade mal 20 bis 50 Jahre bleiben ihnen noch, den Inseln von Tuvalu.

Dann wird der Zwergstaat vom Pazifischen Ozean verschluckt sein - der wohl erste Staat der Welt, der nicht durch Kriege, sondern infolge des Klimawandels untergeht.

Bislang war das Leben auf den gerade mal 26 Quadratkilometer großen Inseln beschaulich.

Abgeschieden vom Rest der Welt, liegen die vier Inseln und fünf Atolle im Pazifischen Ozean hingesprenkelt zwischen Hawai und Australien.

Erst seit 2002 gibt es in dem viertkleinsten Staat der Welt überhaupt asphaltierte Straßen - acht Kilometer.

Das Parlament besteht aus gerade 15 Mitgliedern (im Bild: Premierminister Maatia Toafa im Jahr 2005), ...

... eine Armee gibt es nicht, Staatsoberhaupt der ehemaligen britischen Kolonie ist immer noch Queen Elizabeth II.

Höchstens 100 Touristen - und das meist offizielle Besucher der Regierung - verirren sich pro Jahr auf die entlegenen Inseln.

Die meisten Bewohner leben von Fischfang und Landwirtschaft - wie einst ihre Vorfahren, die vor etwa 2000 Jahren die Inseln besiedelten.

Jeder wird satt.

"Die Tuvaluer wissen wie man das Leben genießen kann, ohne von Geld abhängig zu sein", meint der japanische Fotograf Shuuichi Endou, der seit Jahren regelmäßig die Inseln besucht.

Bekannt wurde Tuvalu bislang vor allem dadurch, dass es die Internet-Adresse ".tv" zugewiesen bekam.

Das Land verkaufte die begehrte Domain für 50 Millionen US-Dollar ...

... - und konnte sich dafür die Aufnahmegebühr für die Vereinten Nationen leisten.

Wie lange es allerdings UN-Mitglied bleiben kann, ist höchst fraglich:

Dem Klimarat der Vereinten Nationen (IPCC) zufolge könnte der Meeresspiegel bis zum Ende des 21. Jahrhunderts rund 60 Zentimeter ansteigen.

Sollte es soweit kommen, würde dies das sichere Ende der Inselgruppe bedeuten.

Stündlich werden im Hafen der Hauptinsel Funafuti bereits die Wasserstände gemessen und an die Universität Adelaide in Australien übermittelt.

"Aus den langfristigen Messreihen kann man ablesen, dass der Meeresspiegel durchschnittlich fünf bis sechs Millimeter pro Jahr ansteigt", beklagt Tuvalus Klimaforscher Tauala Katea.

Die höchste Erhebung der vier Inseln und fünf Atolle ist gerade mal fünf Meter hoch.

Durchschnittlich liegen die Atolle, die vielfach kleine Lagunen einschließen, zwei Meter über dem Meeresspiegel.

Schon jetzt sind etliche kleinere Inseln, auf denen man vor 20 Jahren noch zwischen Palmen spazieren gehen konnte, vom Meer überspült.

Immer wieder müssen die Bewohner der Inseln mit Überschwemmungen und schweren Stürmen kämpfen.

Das Land erodiert, Boden und Grundwasser versalzen, was gerade für tiefverwurzelte Pflanzen wie Kokosnüsse und die Wasserbrotwurzel Taro fatal ist.

Der Anbau von Lebensmitteln wird zunehmend schwieriger.

Für die Tuvaluer sind dies düstere Zukunftsaussichten.

Rund 5000 sind bereits in den vergangenen Jahren emigriert.

Gerade mal 12.000 leben noch auf den Inseln von Tuvalu.

Sie fotografiert nun der Japaner Shuuichi Endou, der auch die Nichtregierungsorganisation "Tuvalu Overview" gegründet hat.

Er will damit weltweit auf das Leben und die bedrohte Existenz der Tuvalu-Bevölkerung aufmerksam machen und dem Klimawandel ein Gesicht verschaffen.

Bereits jetzt hat Endou mehr als 1000 Bewohner der Inseln Nukulaelae und Niuato fotografiert und deren Träume und Pläne protokolliert.

"Tuvaluaner sind jeden Tag glücklich. ...

... Ich weiß nicht, ob wir jeden Tag glücklich sind. (Im Bild: Die Regierungschefs der pazifischen Inselstaaten im Oktober 2006) ...

... Es wäre fürchterlich, wenn Tuvalu im Meer versinken würde wegen des Kohlendioxid-Ausstoßes, den unser unglückliches wirtschaftliches Leben verursacht", beklagt der ehemalige Architekt, für den der Einsatz für die Inseln inzwischen zur Lebensaufgabe wurde.

Indem er die Gesichter der Insulaner zeigt und ihre Geschichten erzählt, hofft er, die westliche Welt aufzurütteln ...

... und noch die Zukunft der Insulaner zu retten.

Doch auch Endou weiß:

Es ist ein Kampf gegen die Zeit.

Die Regierung von Tuvalu richtete für ihre gesamte Bevölkerung im Jahre 2001 vorsorglich ein Asylbegehren an Neuseeland.

Andere Pläne wie des aus Tuvalu stammenden Wissenschaftlers Don Kennedy sehen vor, die Bevölkerung geschlossen auf die Fidschi-Insel Kioa umzusiedeln.

"Wenn die Kultur unseres Inselstaates weiterleben soll, müssen die 9000 Tuvaluer gemeinsam nach Kioa umziehen", so Kennedy.

Die Kosten für einen solchen Umzug sollten die Industriestaaten als Verursacher der Klimaerwärmung übernehmen.

Doch selbst wenn den Tuvaluern ein solcher Umzug gelingen würde, bleibt das Problem:

Die Erde wird wärmer.

Die Tuvalu-Inseln versinken im Meer.

Und sie sind nicht die einzigen.

Auch anderen Inselstaaten, Kirabati, den Marschall-Inseln, den Malediven, bleibt nicht mehr viel Zeit.

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