Die IEA verneint und bestätigt "Peak Oil" in einem Atemzug
Mit freundlicher Genehmigung der "Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie e.V."
"Wenn die Ölproduktion im Irak bis 2015 nicht exponentiell steigt, haben wir ein sehr großes Problem. Und dies selbst wenn Saudi Arabien alle seine Zusagen einhält. Die Zahlen sind sehr einfach, dazu muss man kein Experte sein".
Der Mann, der diese Worte am 27.06.2007 in einem Interview der größten französischen Tageszeitungen "Le Monde" äußerte, heißt Fatih Birol und als Chefökonom der Internationalen Energieagentur (IEA) sollte er mehr als nur ein Laie in Sachen "Erdöl" sein. Wie realistisch eine exponentielle Förderausweitung im Irak ist, sei dahingestellt. Ob Saudi Arabien bis 2015 seine Förderung von heute etwa 8 Millionen Barrel/Tag auf die versprochenen 12 Millionen Barrel/Tag (oder sogar darüber hinaus) ausgeweitet haben wird, muss die Zeit zeigen. Birol spricht auf seine Weise jedoch eine Warnung aus, die kaum deutlicher formuliert werden kann.
Auch sein Chef, IEA Vorsitzender Claude Mandil, wählt in dem "Le Monde" Interview Worte, auf die man noch vor einem Jahr bei seinem Auftritt auf dem internationalen Zukunftstreff der Automobilszene, dem Michelin Challange Bibendum, vergebens gewartet hat: "Die Verbraucherländer tragen weitgehend die Verantwortung. Sie wollen keine energiesparenden politischen Maßnahmen beschließen, trotz der Tatsache, dass dies die preiswerteste Lösung wäre. Dies hat absolute Priorität. Wir müssen harte Maßnahmen im Transportbereich ergreifen. Dies können hohe Steuern auf große Autos sein, Einschränkungen für SUV’s oder Tempolimits..."
Bereits im Jahr 2005 hatte die IEA eine Studie mit dem Titel "Saving Oil in a Hurry" (Wie spart man auf die Schnelle Erdöl) publiziert, wo genau diese Maßnahmen für jedes der IEA-Mitgliedsländer benannt waren. Dennoch zählt die IEA eher zu den Vertretern konservativer Denkweise, wo man traditionell die Zukunft der Ölversorgung als nicht sonderlich problematisch ansieht. So hat sich die IEA auch bisher immer primär bemüht zu beschreiben wie die Nachfrage nach Öl wachsen wird, anstatt genau zu beschreiben, wo dieses Öl eigentlich herkommen soll. Heute beschreibt Fatih Birol die Lage jedoch recht eindeutig.
"Innerhalb von 5-10 Jahren wird die Nicht-OPEC Produktion den Gipfel erreichen und beginnen zurück zu gehen wegen nicht ausreichender Reserven. Für diese Tatsache gibt es täglich neue Beweise. Zeitgleich werden wir den Gipfel des chinesischen Wirtschaftswachstums sehen. Beide Ereignisse werden also zusammentreffen: Die Explosion des Wachstums der chinesischen Nachfrage und der Rückgang der Ölproduktion der Nicht-Opec Staaten. Wird unser Ölsystem in der Lage sein dieser Herausforderung zu begegnen, das ist die Frage. [...] Unglücklicherweise gibt es viele Worte und wenig Handlungen. Ich hoffe wirklich, dass die Öl verbrauchenden Länder den Ernst der Situation verstehen und sehr starke und radikale politische Maßnahmen ergreifen werden, um das Nachfragewachstum zu verlangsamen."
Auf die Frage, ob es Gründe für eine böse Überraschung bezüglich der Reservestatistiken von Saudi Arabien und Irak gibt, antwortet Birol: "Ich verstehe, dass die saudische Regierung von Reserven in Höhe von 230 Milliarden Barrel spricht. Ich habe keinen offiziellen Grund daran nicht zu glauben. Dennoch, Saudi Arabien wie auch andere ölproduzierende Länder und internationale Firmen sollten transparenter sein bei der Veröffentlichung ihrer Zahlen. Öl ist ein sehr entscheidendes Gut für uns alle und wir haben das Recht zu erfahren, wie viel Öl nach internationalen Standards noch übrig ist."
"Wenn wir keine gesicherte Nachfrage erkennen können, könnten wir langfristig unsere Investitionspläne überdenken". So redet man auf der anderen Seite des Spielfeldes. OPEC Generalsekretär Abdalla El-Badri erklärte am 6. Juni in der Financial Times, dass die OPEC bis 2012 Investitionen von 130 Milliarden Dollar plane, um die Förderkapazität von heute 35,7 Millionen Barrel/Tag auf 39,7 Millionen Barrel/Tag (ohne Irak) anzuheben. Die Pläne, weitere 500 Milliarden Dollar im Zeitraum 2013 bis 2020 zu investieren, könnten angesichts der Biokraftstoffstrategien geändert werden.
Die IEA sagt also: Wir wissen nicht was die OPEC noch hat und da dort nicht ausreichend investiert wird, müssen wir drastisch sparen. Die OPEC sagt: Da die Welt nun Energie sparen will, werden wir nicht unnötig investieren. Hier wird auf weltpolitischer Ebene offenbar nicht mehr Schach, sondern nur noch schwarzer Peter gespielt.
Quelle: ASPO Deutschland - www.aspo-deutschland.org
weitere Links:
www.iea.org/textbase/nppdf/free/2005/SavingOil.pdf
"Facing the Hard Truths About Energy":
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