Bio-Energien für die Zeit nach dem Öl

Deutsche Bank Research: 20. Juli 2005 / Nr. 327

  • Das Ölzeitalter nähert sich bald seinem Ende. Der aktuelle Preisanstieg von Erdöl und Erdgas sowie bei Heizöl und Kraftstoffen ist nur ein Vorgeschmack auf künftige Energiemarktentwicklungen. Doch während die neuen erneuerbaren Energieträger wie Solar- und Windenergie große öffentliche Beachtung finden, fristen die "alten Erneuerbaren" ein Schattendasein. Dabei verdienen die Bio-Energien perspektivisch eine größere Aufmerksamkeit.
  • Bio-Energien sind die Alleskönner unter den Erneuerbaren, denn nur Biomasse ist gleichermaßen zur Erzeugung von Elektrizität, Wärme und Kraftstoffen brauchbar. Dank ihrer Vielseitigkeit erbringen Bio-Energien schon heute mit über 60% den Löwenanteil an der Energiebereitstellung aus erneuerbaren Energien.
  • Eine stärkere Aktivierung der Bio-Potenziale kann den Energiemix spürbar verbessern. Besondere Brisanz erhält das Thema nicht zuletzt angesichts der aktuellen Diskussion um die Kürzung von Agrarsubventionen sowie eines möglichen Machtwechsels in Berlin, der zu einer "neuen Energiepolitik" führen könnte. Die Biomasse zählt freilich auch zum Wunschenergiemix einer unionsgeführten Regierung.
  • Bio-Energien könnten 2010 gut 4% zur Stromerzeugung beitragen (2004: 1,6%). Heute fällt die Förderung innerhalb einer Bandbreite von 8,4 ct/kWh bis 21,5 ct/kWh teilweise noch recht hoch aus. Bis 2030 ist zu erwarten, dass dank technischem Fortschritt die Stromgestehungskosten für Biogas-Anlagen bis auf 7,5 und bei fester Biomasse bis auf 6 ct/kWh sinken.
  • Besonders günstige Perspektiven haben Bio-Energien auf dem Wärmemarkt, wo sie schon heute über 90% zur Wärmebereitstellung aus erneuerbaren Energien beisteuern. Zukunftsträchtig sind vor allem Pelletanlagen, die Biostoffe in handlicher Form verwerten. Durch die alternativen Heizsysteme wird der Hausbesitzer unabhängig von Öl und Gas. Ebenso sind Biomasseheizwerke mit Nahwärmesystemen eine sehr interessante Alternative für die kommunale und gewerbliche Wärmeversorgung.
  • Bio-Kraftstoffe sind nicht mehr ein Nischenprodukt. Die Förderung seitens der Politik macht den Bio-Sprit zunehmend attraktiv. Mit der Förderung der Bio-Energien kann auch ein Technologievorsprung erreicht werden, der zukünftig den Export in Schwellenländer ermöglicht. Ab einem Ölpreis von 100 USD/Barrel wäre Bio-Kraftstoff schon mit heutiger Technologie konkurrenzfähig; im Wärmemarkt wären Pelletsheizungen Öl und Gas dann klar überlegen.
  • Das Geschäftsfeld erneuerbare Energien bietet den traditionellen Bauern eine interessante Einkommensalternative. Wenn aus etablierten Land- und Forstwirten künftig moderne "Energiewirte" werden, können zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: Die Zukunftsenergie Biomasse erhält die erforderliche fachmännische Unterstützung und die Einkommensperspektiven im ländlichen Raum werden stabilisiert.

Autor: Josef Auer, +49 69 910-31878 ( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. )

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