Deutsche Bank Research: Boombranche Solarenergie
- Dank der verstärkten Nutzung solarer Energien kann die sich bereits heute abzeichnende Erschöpfung wichtiger fossiler Energieträger - zunächst Erdöl, später Erdgas - hinausgezögert werden. Letztlich resultiert der Zeitgewinn (z.B. für die Entwicklung alternativer Anpassungsstrategien) daraus, dass unser geschlossenes, endliches System Erde die schier unerschöpfliche Energiequelle Sonne unter Zuhilfenahme technischer Innovationen "anzapft". Die Techniken für die "Ernte" der Sonnenenergie sind vielfältig.
- Da Solarkraftwerke im All noch sehr ferne Zukunftsmusik bleiben und große Aufwindkraftwerke noch am Anfang stehen, können mittelfristig nur die traditionellen Methoden der Gewinnung von Sonnenenergie, Photovoltaik zur Stromproduktion und Solarthermie für die Wärmeerzeugung, positive Beiträge zur Sicherung der Energieversorgung und zum Umweltschutz leisten.
- Grundlage der boomartigen Entwicklung der Photovoltaik in Deutschland ist die massive Subventionierung, mit der die Politik die neue Energietechnologie bis hin zur Marktreife fördern will. Die Politik verspricht sich davon einen Beitrag zur Erreichung energie- und umweltpolitischer Ziele. Die Kritik an der Förderpraxis entzündet sich an der enormen Stromeinspeisevergütung, der relativ geringen Degression sowie den hohen CO2-Vermeidungskosten.
- Die Photovoltaik hat global günstige Perspektiven. Bis 2010 ist ein weltweites Wachstum der Neu-Installationen um etwa 30% p.a. wahrscheinlich. Deutschland expandiert überdurchschnittlich, die USA wie im Schnitt, während Japan etwas zurückbleibt. Die Erwartung einer Wachstumsabschwächung im Photovoltaikbereich aufgrund einer zu hohen Absorption von Silizium seitens der Chipindustrie scheint übertrieben zu sein. In der Dekade bis 2020 ist weltweit mit Steigerungsraten (zumindest) im niedrigen zweistelligen Prozentbereich zu rechnen.
- Auf dem Weltmarkt für Solarthermie spielen bisher fast nur Asien und Europa eine nennenswerte Rolle. Nach Ländern dominiert eindeutig China. Bis 2010 dürfte die neu installierte Kollektorfläche global zwischen 10 und 20% p.a. zunehmen. Die Technologie hat - nicht zuletzt in den bevölkerungsreichen Ländern um den Sonnengürtel - noch eine große Zukunft vor sich. Zuversichtlich stimmt, dass der technische Fortschritt bereits in 15 bis 20 Jahren die derzeitigen Kosten für Elektrizität aus solarthermischen Großkraftwerken von heute 15 bis 20 Cent/kWh auf 5 bis 7 Cent/kWh in sonnenreichen Gegenden reduzieren könnte.
- Nachdem Politik und Bürger der Solarbranche einen hohen Vertrauenskredit für die Zukunft gegeben haben, ist diese nun gefordert, ihre Versprechungen auch einzuhalten. Wenn es den Solarunternehmen in Zukunft gelingt, die Kosten der Energieerzeugung und der CO2-Vermeidung merklich zu senken, dürfte die Zukunftsinvestition hohe Dividenden für alle Beteiligten abwerfen.
Autor: Josef Auer, +49 69 910-31878 ( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. )
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